Probewarnung in Stuttgart: Bevölkerung wird zur Krisenvorsorge aufgerufen
„Bei einer größeren Krise können Einsatzkräfte nicht überall gleichzeitig helfen. Deshalb ist persönliche Vorsorge so wichtig“, betont Bürgermeister für Sicherheit Clemens Maier. Am Donnerstag, dem 10. September, um 11 Uhr, wird in Stuttgart die bundesweite Probewarnung durchgeführt, um die Bürger mit verschiedenen Warnsystemen vertraut zu machen und sie dazu zu ermutigen, ihre eigene Krisenvorsorge zu überprüfen.
Maier appelliert an die Bevölkerung: „Wer zu Hause für einige Tage gut ausgestattet ist, kann eine Krisensituation zunächst selbstständig überbrücken und entlastet damit die Einsatzkräfte. Informieren Sie sich und bereiten Sie sich vor, dann brauchen uns Krisenszenarien nicht zu schrecken.“ Weitere Informationen zur Krisenvorsorge in Stuttgart sind unter www.stuttgart.de/krisenvorsorge verfügbar.
Test der Warnsysteme
Die Probewarnung wird über das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes initiiert und über verschiedene Kanäle verbreitet. Dazu zählen Rundfunk, Fernsehen, Warn-Apps wie NINA und KATWARN, digitale Anzeigen sowie Cell Broadcast. Letzteres ermöglicht es, dass die Warnung direkt auf empfangsbereiten Mobiltelefonen erscheint, ohne dass eine zusätzliche App erforderlich ist. In Stuttgart werden die Sirenen am Warntag nicht aktiviert, da das Sirenennetz nach dem Ende des Kalten Krieges abgebaut wurde.
Der Warntag dient nicht nur als Test der gesamten Warnkette, sondern auch als Gelegenheit für die Bürger, sich mit den unterschiedlichen Warnkanälen vertraut zu machen. Die Stadt empfiehlt, die Einstellungen der eigenen Mobiltelefone zu überprüfen, Warn-Apps zu aktualisieren und Push-Mitteilungen zu aktivieren.
Krisenvorsorge und Notfallplanung
Ein wichtiger Aspekt der Krisenvorsorge ist die Vorbereitung auf Situationen, in denen digitale Kommunikationswege möglicherweise ausfallen. Bei einem längeren Stromausfall können Mobilfunk, Internet und Fernsehen nicht mehr funktionieren. Ein Notfallradio, das mit verschiedenen Energiequellen betrieben werden kann, wie Batterien, Akku, Solarpanel oder Handkurbel, kann in solchen Fällen eine entscheidende Informationsquelle darstellen.
Die Stadt Stuttgart empfiehlt zudem, zu Hause für einige Tage ausreichend Wasser und Lebensmittel, notwendige Medikamente sowie Möglichkeiten für Licht, Wärme und Information bereitzuhalten. Wichtige Dokumente und Kontaktdaten sollten ebenfalls in Papierform vorliegen. Besondere Bedürfnisse von Kindern, älteren Menschen und Haustieren sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Zudem ist es wichtig, den Standort des nächsten Notfallleuchtturms zu kennen.
Die Probewarnung endet um 11.45 Uhr mit einer Entwarnung.
Hintergrund: Warnsysteme in Krisensituationen
In einer hochtechnisierten Gesellschaft kann der Ausfall der Infrastruktur gravierende Folgen haben. Dies wurde beispielsweise während der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 oder dem Stromausfall im Südwesten von Berlin im Januar 2026 deutlich. Effektive Warnsysteme können in solchen Situationen Leben retten. Aus diesem Grund überprüfen Bund, Länder und Kommunen seit 2020 jährlich im September die Technik der Warnsysteme. Der diesjährige bundesweite Warntag findet am 10. September statt. Die Testnachricht wird über das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes versendet und gleichzeitig an alle angeschlossenen Multiplikatoren, wie Radio, Fernsehen, Warn-Apps und digitale Anzeigen, weitergeleitet. Cell Broadcast sendet die Warnung anonym an alle Mobiltelefone, die sich in einer Funkzelle befinden, und erscheint als Vollbildmeldung mit einem lauten Warnton, ohne dass eine App erforderlich ist. In Stuttgart bleiben die Sirenen jedoch stumm, da das entsprechende Netz abgebaut wurde.
Funktionsweise des Warnsystems
Das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes arbeitet mit drei Warnstufen. Wenn eine Warnung von Bund, einem Bundesland oder einer örtlichen Katastrophenschutzbehörde veröffentlicht wird, gibt die zuständige Leitstelle die Meldung in MoWaS ein. Je nach Gefahrenlage wird die Warnstufe ausgewählt und der Adressatenkreis festgelegt. Anschließend sendet das System die Meldung an die ausgewählten Medien, Warn-Apps und bei Bedarf per Cell Broadcast.
- Warnstufe 1: Amtliche Gefahrendurchsage: Es besteht Gefahr für Leib und Leben sowie für erhebliche Schäden an der Infrastruktur. Der normale Lebensablauf wird unmöglich, etwa durch eine chemische Gefahrstoffwolke oder akute Waffengewalt. Rundfunksender müssen die laufende Sendung sofort unterbrechen und die Meldung unverändert im Programm veröffentlichen.
- Warnstufe 2: Amtliche Gefahrenmitteilung: Es besteht eine zu erwartende oder bereits eingetretene Gefahr, die die Bevölkerung bedroht oder zu erheblichen Schäden an der Infrastruktur führen kann. Rundfunksender fügen die Meldung zeitnah ins Programm ein und können sie redaktionell anpassen.
- Warnstufe 3: Gefahreninformation: Es gibt eine zu erwartende oder bereits eingetretene Beeinträchtigung. Medien entscheiden eigenständig, ob, wann und wie sie die Meldung veröffentlichen.
Notfallradio als Informationsquelle
Die Abhängigkeit vom Strom ist im Alltag oft nicht bewusst. Er sorgt für die Wasserversorgung, steuert Ampeln und hält Supermarktkassen in Betrieb. Bei einem Stromausfall bleibt das Licht aus, Kühlschränke und Fernseher funktionieren nicht mehr. Während dies für viele unangenehm ist, kann es in anderen Situationen über Leben und Tod entscheiden. Daher sind systemrelevante Einrichtungen wie Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, Notstrom vorzuhalten. Private Haushalte hingegen sollten selbst vorsorgen.
In Krisensituationen können Mobiltelefone zunächst noch Orientierung bieten, sofern der Akku geladen ist und das Mobilfunknetz funktioniert. Bei einem größeren Stromausfall wird jedoch jede Funkzelle schnell überlastet. Notstrom für Mobilfunkmasten reicht oft nur für zwei bis vier Stunden. Wer kein stromunabhängiges Radio besitzt, könnte von Informationen abgeschnitten sein, je länger der Stromausfall dauert. Über das Radio können Behörden jedoch auch bei einem Stromausfall flächendeckend informieren.
Die Radiosender erhalten amtliche Warnmeldungen über das Modulare Warnsystem (MoWaS) und verbreiten diese zeitnah. Öffentlich-rechtliche Sender sind gesetzlich verpflichtet, in Krisensituationen amtliche Informationen zu verbreiten und müssen dafür Notstrom vorhalten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt jedem Haushalt, ein Notfallradio anzuschaffen. Ein gutes Modell sollte über mehrere Stromquellen verfügen, wie Handkurbel, Solarpanel oder Batteriefach. Seit 2020 müssen Notfallradios auch Digital Audio Broadcasting (DAB+) empfangen können. Selbst wenn alle anderen Stromquellen versagen, sorgt die Handkurbel für die nötige Energie.
Für den Notfall gerüstet: Kurbelradios ermöglichen auch bei Stromausfall den Empfang wichtiger Informationen.
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Quellen: stuttgart, NDR
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