Das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart führt derzeit umfassende Reparaturarbeiten an einem Entwässerungskanal durch, der sich im Osten der Stadt unter der Werderstraße erstreckt. Ein Anwohner hatte am Sonntag ein Loch in der Asphaltdecke entdeckt, was um 18.33 Uhr zur Benachrichtigung der Polizei führte. Diese informierte das Tiefbauamt, das umgehend die betroffene Stelle inspizierte und die Werderstraße großflächig absperrte. Die Absperrung erstreckte sich bergabwärts von der Hackstraße bis zum Verkehrskreisel, an dem sich die Heilandskirche befindet. Bis zur Einrichtung der Absperrung durch das Tiefbauamt übernahm die Polizei die Sicherung der Stelle. Um 19.20 Uhr war die Absperrung vollständig eingerichtet und ein sicherer Zustand hergestellt.
Am Montag begaben sich Ingenieure der Stadtentwässerung Stuttgart, die als Eigenbetrieb dem Tiefbauamt zugeordnet sind, mit einer Kamera in den darunterliegenden Entwässerungskanal, um die Ursache des Schadens zu ermitteln. Im Anschluss daran wurde eine Baufirma beauftragt, und es wurde ein Sanierungskonzept erarbeitet. Das durch Ausspülungen entstandene Loch soll in den kommenden Tagen geöffnet werden.
Christian Buch, Abteilungsleiter bei der Stadtentwässerung und verantwortlich für das Kanalnetz in Stuttgart, erläutert die Situation: „Unter der Werderstraße liegt in sieben Meter Tiefe ein Entwässerungskanal im Ei-Profil, der aus dem Jahr 1914 stammt. Heutzutage werden solche Kanäle in der Regel aus Beton oder Kunststoff gefertigt, während sie früher aufwändig aus Ziegelsteinen gemauert wurden, die mit Zement verbunden sind. Im Laufe der Jahre konnte der Zement an der Schadstelle die Mauersteine nicht mehr ausreichend zusammenhalten. Bei starkem Regen fiel dann der erste Stein heraus, gefolgt von weiteren. Schließlich wurde das Erdreich an dieser Stelle ausgespült und durch den Kanal abtransportiert, was den Hohlraum vergrößerte.“
Das Loch unter der Werderstraße hat eine Tiefe von sieben Metern und ist trichterförmig. Am tiefsten Punkt misst es, entsprechend den Maßen des alten Kanals, einen Durchmesser von einem Meter. Direkt unter der Straßenoberfläche beträgt der Durchmesser vier Meter. Die trichterförmige Form des Lochs ist auf die Eigenschaften des Baugrundes zurückzuführen. „Einen gemauerten Ei-Kanal kann man sich wie ein auf der Spitze stehendes Ei vorstellen“, erklärt Buch. „Bei Trockenwetter fließt nur wenig Wasser in diesen Kanälen, weshalb es wichtig ist, dass das Wasser schnell genug fließt, um das Abwasser, einschließlich Toilettenpapier, abtransportieren zu können. Der Kanal muss nach oben hin breiter werden, um bei Starkregen ausreichend Regenwasser aufnehmen zu können.“
Buch weist darauf hin, dass die Entstehung eines Hohlraums unter der Straße nicht mit bestimmten Gesteinsschichten wie Anhydrid oder Gipskeuper in Verbindung steht. „Wenn ein gemauerter Kanal größere Schäden aufweist, kann bei starkem Regen immer mehr Erdreich ausgespült werden, was schließlich auch die Schotterschicht unter der Straße betrifft. Am Ende bleibt nur noch die Asphaltdecke übrig.“
Um derartige Schäden frühzeitig zu erkennen, befahren die Mitarbeiter des Stuttgarter Tiefbauamts jeden Kanal alle zehn Jahre mit einer Kamera. Festgestellte Schäden werden routinemäßig repariert. Im Bereich des Schadens unter der Werderstraße wird nun ein Ei-Profil-Rohr aus Beton verlegt. Die Reparaturarbeiten werden voraussichtlich etwa vier Wochen in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit bleibt die Werderstraße zwischen dem Verkehrskreisel und der Hackstraße gesperrt. Eine örtliche Umleitung wird derzeit mit dem Amt für öffentliche Ordnung abgestimmt.
Für weitere Informationen über den Abschluss des geförderten Glasfaserausbaus in Stuttgart-Feuerbach und aktuelle Themen wie Abfall im Kautenbach: Ein verzweifelter Aufruf zum Schutz des Biotops oder Einbrüche in Stuttgart: Polizei sucht Zeugen zu mehreren Vorfällen finden Sie hier mehr.
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Quellen: stuttgart
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