Im digitalen Zeitalter sind persönliche Äußerungen in sozialen Medien häufig einem Spannungsfeld zwischen der Meinungsfreiheit und den Interessen des Arbeitgebers ausgesetzt. Ein unbedachter Kommentar oder ein unvorteilhaftes Bild kann schnell ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Daher ist es entscheidend, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen, die mit Social-Media-Aktivitäten verbunden sind.
Rechtliche Grundlagen und Loyalitätspflichten
Angestellte haben das Recht, ihre Freizeit sowohl offline als auch online selbstbestimmt zu gestalten. Dies schließt auch die Meinungsfreiheit gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes ein.
„Aber Beschäftigte haben auch eine Loyalitätspflicht ihrem Arbeitgeber gegenüber“, erläutert Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln.
Diese Loyalitätspflicht bedeutet, dass Äußerungen, die Vorgesetzte oder Kollegen betreffen, betriebliche Interna offenbaren oder dem Arbeitgeber schaden, rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können. Diese reichen von einem Gespräch über eine Abmahnung bis hin zur Kündigung. Weitere Informationen zu den rechtlichen Aspekten finden Sie in unserem Artikel über Drogentests im Job.
Äußerungen, die problematisch sein können
Äußerungen sind besonders heikel, wenn sie, so Görzel, „berechtigten Interessen“ des Unternehmens schaden könnten. Dies gilt auch für unbeabsichtigte Fehler, wie beispielsweise wenn eine Präsentation über die neue Firmenstrategie im Hintergrund eines Selfies sichtbar ist. Auch radikale politische Äußerungen sowie rassistische oder sexistische Inhalte können den Arbeitgeber alarmieren, insbesondere wenn diese strafrechtlich relevant sind und die Identität des Verfassers leicht zurückverfolgt werden kann. Ein aktuelles Beispiel für solche problematischen Äußerungen ist der Fall eines Oberarztes in Rostock, dessen rassistische Posts aufgedeckt wurden.
Das Internet als nicht rechtsfreier Raum
Görzel beobachtet, dass viele Menschen im Internet sorgloser agieren als im persönlichen Gespräch:
„Man äußert sich schneller, man äußert sich vielleicht härter, auch um Klicks zu erzeugen.“
Dabei wird oft übersehen, dass soziale Medien kein rechtsfreier Raum sind. Öffentlich gepostete Äußerungen können als Beweismittel vor Gericht verwendet werden, sowohl schriftliche als auch sprachliche Äußerungen.
Privatsphäre und Firmenrichtlinien
Obwohl es heißt, dass „je privater, also je kleiner der Kreis der Follower oder Teilnehmer, desto freier man sich äußern kann“, gibt es keine Garantie dafür, dass private Posts tatsächlich privat bleiben. Beiträge können weitergeleitet, als Screenshots gespeichert oder von Mitgliedern einer Gruppe geteilt werden.
Um Konflikte zu vermeiden, haben viele Unternehmen Richtlinien für den Umgang mit sozialen Medien aufgestellt. Diese enthalten Regeln für den Umgangston, die Veröffentlichung von Fotos und Videos von Kollegen sowie die Abgrenzung zwischen privaten und dienstlichen Posts.
„Solche Guidelines haben jedoch keine Bindungswirkung auf Kommentare als Privatperson. Das Weisungsrecht des Arbeitgebers hört am Werkstor auf“, erklärt Görzel.
Vorsicht bei der Nutzung von Dienstgeräten
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn private Posts über einen Dienstlaptop verfasst werden. Dies sollte nur geschehen, wenn es im Arbeitsvertrag oder in einer Vereinbarung ausdrücklich erlaubt ist. Obwohl Dienstrechner nicht systematisch überwacht werden dürfen, sind stichprobenartige Kontrollen bei Verdacht auf Missbrauch möglich.
Die Auswertung öffentlicher Social-Media-Profile durch Arbeitgeber ist datenschutzrechtlich nur in engen Grenzen zulässig. Dennoch sollten Mitarbeiter sich bewusst sein, dass ihre Online-Aktivitäten von Recruitern und Personalberatern beobachtet werden können.
„Recruiter und Personalberater schauen nicht nur auf Bewerbungsunterlagen, sondern auch auf die Aktivitäten von Bewerbern in sozialen Netzwerken“, sagt Harald Fortmann, Geschäftsführer der Hamburger Personalberatung Five14.
Insbesondere Beiträge im Karrierenetzwerk LinkedIn sind von Bedeutung, da dort berufsbezogen und unter Klarnamen gepostet wird.
Karrierechancen durch Social Media
Fortmann plädiert für ein höheres Bewusstsein dafür, wo und in welcher Form Äußerungen wahrgenommen werden:
„Die Social-Media-Mechanismen zu verstehen, ist im Berufsleben mittlerweile extrem wichtig.“
Strategisch genutzt, können soziale Netzwerke die Karriere fördern. Im Recruiting gehe es zunehmend darum, welche Potenziale Bewerber mitbringen und wie sie sich im KI-Zeitalter professionell präsentieren.
Bei aller Professionalität sollte die Tonalität der Beiträge auch die Persönlichkeit des Verfassers widerspiegeln:
„Man ist auf einem Social-Media-Kanal nur erfolgreich, wenn man nicht wie ein Roboter postet.“
Die Herausforderung besteht darin, die Grenze zwischen persönlichen und privaten Äußerungen zu kennen und vor dem Absenden eines Beitrags zu prüfen, ob diese überschritten wurde.
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Quellen: n-tv
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.