Die gesundheitlichen Aussichten für die jüngere Generation könnten gravierende Folgen für den Renteneintritt haben. Laut einer aktuellen Untersuchung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) steht zu befürchten, dass künftige Rentner in einem deutlich schlechteren Gesundheitszustand in den Ruhestand gehen werden.
Folgen für den Renteneintritt
Die Studie zeigt, dass insbesondere jüngere Erwerbstätige mit ansteigenden gesundheitlichen Problemen konfrontiert sind.
„Insgesamt zeigt sich, dass die gesundheitliche Entwicklung oft nicht mit dem Anstieg der Lebensarbeitszeit Schritt hält“, erläutert Juliane Tetzlaff, die Projektleiterin der Studie.
Dies beunruhigt, da der Trend zu einer längeren Lebensarbeitszeit besteht, während die Gesundheit der Betroffenen sich verschlechtert. Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang betrachtet werden sollte, sind die Risiken für die Zukunft.
Ursachen und Entwicklungen
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass immer mehr Menschen vor ihrem 44. Lebensjahr in schlechter Gesundheit leben. Tetzlaff nennt als Hauptgründe die steigende Zahl von Adipositas-Fällen sowie die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt, die sich in häufigeren Jobwechseln und einer Verdichtung der Arbeitszeiten äußern. Zudem könnte der monatliche Zuschuss für die Frühstartrente eine wichtige Rolle spielen.
Die Forscher der MHH analysierten Daten von über drei Millionen AOK-Versicherten und konzentrierten sich auf Krankheiten, die ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben zur Folge haben können, wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Die Ergebnisse belegen, dass Personen mit höherem Bildungsniveau tendenziell mehr gesunde Jahre erwarten können als ihre weniger gebildeten Mitmenschen. Interessanterweise zeigt eine Studie zur Partnerwahl, dass auch persönliche Präferenzen in der Lebensqualität eine Rolle spielen.
Der globale Vergleich
Der weltweite Anstieg der Lebenserwartung hat nicht zu einem proportionalen Anstieg gesunder Lebensjahre geführt. Eine globale Analyse zeigt, dass die Differenz zwischen den Jahren, die Menschen voraussichtlich erreichen, und den Jahren in guter Gesundheit, immer größer wird. Die Forscher bezeichnen dies als „wachsende Krankheitslücke“.
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland von 1990 bis 2023 im Ranking der gesunden Lebensjahre von Platz 23 auf Platz 31 gefallen ist. Dennoch stieg sowohl die Lebenserwartung als auch die Zahl der gesunden Jahre an – um 5,4 Jahre und 3,5 Jahre. Länder wie Südkorea, Portugal und Irland konnten deutlich größere Fortschritte verzeichnen.
Veränderungen in der Lebensqualität
Die weltweite Krankheitslücke hat sich zwischen 1990 und 2023 von 8,8 auf 10,7 Jahre ausgeweitet, was einem Anstieg um fast 22 Prozent entspricht. Im Jahr 2023 verbrachten Menschen weltweit im Schnitt 14,5 Prozent ihres Lebens in einem schlechten Gesundheitszustand, im Vergleich zu 13,6 Prozent im Jahr 1990.
Die von vielen erhoffte Kompression der Morbidität, also die Vorstellung, dass medizinische Fortschritte nicht nur die Lebensdauer, sondern auch die Lebensqualität verlängern, zeigt sich nicht in diesem globalen Maßstab. Stattdessen wird deutlich, dass die Anzahl der gebrechlichen Jahre steigt, während gesunde Lebenszeit nicht im gleichen Maße zunimmt.
Gesundheitsstatus der Geschlechter
Ein bemerkenswerter Unterschied zeigt sich auch zwischen den Geschlechtern. Frauen leben zwar länger als Männer, verbringen jedoch auch mehr Jahre in gesundheitlich eingeschränkten Zuständen. Im globalen Durchschnitt haben Frauen 12,1 Jahre und Männer 9,3 Jahre in einem schlechten Gesundheitszustand zu erwarten.
In Ländern mit hohem Wohlstand, wie in Deutschland, sind Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes besonders verbreitet. Dies führt dazu, dass trotz einer höheren Lebenserwartung die Zahl an Jahren mit gesundheitlichen Einschränkungen ebenfalls ansteigt.
Ausblick auf die zukünftige Gesundheitspolitik
Die Herausforderung für die zukünftige Medizin wird darin bestehen, nicht nur die Lebensjahre zu zählen, sondern auch die Lebensqualität zu berücksichtigen. Die Frage, wie viele Jahre gesund gelebt werden können, gewinnt an Bedeutung. Fortschritte in der Medizin sollten daher auch daran gemessen werden, wie lange Menschen aktiv und gesund bleiben und nicht nur daran, wie alt sie werden.
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Quellen: Welt
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