Alarmierende Zunahme von Anfragen zur assistierten Sterbehilfe bei ME/CFS
Die Situation für schätzungsweise 650.000 in Deutschland an ME/CFS leidenden Personen wird zunehmend kritisch, da viele Betroffene ernsthaft mit dem Gedanken spielen, assistierte Suizide in Anspruch zu nehmen. Diese Entwicklung hat zu Besorgnis unter den Sterbehilfevereinen geführt, die von einem deutlichen Anstieg der Anfragen von ME/CFS-Patienten berichten.
Sechs Organisationen, die Hilfe bei assistierten Suiziden anbieten, haben einen signifikanten Anstieg der Anfragen festgestellt. Matthias Thöns, Palliativmediziner und Geschäftsführer von „Leidfrei Sterben“, äußerte sich besorgt über die hohe Anzahl dieser Anfragen. Die Organisation „Linus“ dokumentierte 200 Anfragen, darunter viele von jungen Patienten. Diese Tendenz wird als alarmierend beschrieben.
Anfragen von Eltern für ihre minderjährigen Kinder
Unter den Anfragen finden sich auch solche von Eltern, die Unterstützung für ihre minderjährigen Kinder suchen. Linus Schubert, Geschäftsführer von „Linus“, betont, dass es beunruhigend sei, dass Eltern über den Tod ihres eigenen Kindes nachdenken. Trotz der rechtlichen Rahmenbedingungen schließt die Organisation eine Begleitung von Kindern aus.
Die „Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben“ hat im letzten Jahr zehn Patienten mit ME/CFS begleitet und weist darauf hin, dass der Umgang mit dieser Erkrankung eine immense Herausforderung darstellt, insbesondere bei Antragstellern unter 30 Jahren.
Psychologische Hintergründe und medizinische Unterstützung
Bettina Grande, Psychotherapeutin mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von ME/CFS-Patienten, erklärt, dass der Wunsch nach assistiertem Sterben nicht zwangsläufig eine klassische psychische Krise widerspiegelt. Vielmehr ist es oft das Resultat einer langanhaltenden medizinischen Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Es ist erschütternd, dass schwerkranke Menschen oft leichter Zugang zu assistiertem Sterben haben als zu adäquater medizinischer Versorgung.
Die Realität von ME/CFS
ME/CFS, kurz für Myalgische Enzephalomyelitis und Chronisches Fatigue-Syndrom, ist eine ernsthafte neurologische Erkrankung, die erhebliche Beschwerden im gesamten Körper verursacht. Schätzungen zufolge könnten weltweit etwa 40 Millionen Menschen betroffen sein. Ein Heilmittel existiert bislang nicht, und häufig wird die Erkrankung durch Infektionen wie Pfeiffersches Drüsenfieber oder Covid-19 ausgelöst. Experten vermuten, dass die Zahl der Betroffenen seit der Corona-Pandemie erheblich zugenommen hat.
Suizid als häufige Todesursache
Studien zeigen, dass Suizid eine der häufigsten Todesursachen bei ME/CFS-Patienten darstellt. Die genaue Anzahl der Betroffenen, die assistierte Sterbehilfe in Anspruch genommen haben, bleibt jedoch unklar, da solche Fälle nicht systematisch dokumentiert werden. Es gibt kein Gesetz, das eine entsprechende Erfassung vorschreibt.
Die Herausforderungen, vor denen ME/CFS-Patienten stehen, werfen grundlegende Fragen zur medizinischen Versorgung und Unterstützung auf. Die steigende Zahl der Anfragen nach assistierter Sterbehilfe verdeutlicht die Dringlichkeit, die Bedürfnisse dieser Patienten ernst zu nehmen und ihnen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.
Quellen: n-tv, Der Spiegel
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.