Moskau – Die Befürchtung, dass der Staat private Vermögen zur Finanzierung des Ukraine-Konflikts beschlagnahmen könnte, führt dazu, dass immer mehr Bürger in Russland ihre Ersparnisse von den Banken abheben. Diese Entwicklung hat das Potenzial, gravierende Auswirkungen auf die Finanzstabilität des Landes zu haben, da bereits erhebliche Summen von den Konten abgezogen wurden.
In den ersten zwei Wochen des Augusts 2026 hoben russische Sparer und Unternehmen laut der Zentralbank umgerechnet nahezu drei Milliarden Euro ab. Im Juli betrugen die Abhebungen mehr als sechs Milliarden Euro und im Juni fast vier Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen, dass viele Menschen ihr Geld lieber in bar oder außerhalb des Bankensystems aufbewahren, anstatt es auf einem möglicherweise bald beschlagnahmten Konto zu belassen.
Berichten zufolge ist die Angst vor möglichen staatlichen Zugriffen unter Präsident Wladimir Putin (73) der Hauptgrund für die verstärkten Abhebungen. Die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung ist angespannt, was durch die Zunahme militärischer Aktivitäten und das damit verbundene Gefühl der Unsicherheit verstärkt wird. Ein ehemaliger hochrangiger Finanzbeamter äußerte seine Besorgnis über die gegenwärtige Situation. Putin warnt vor Gegenmaßnahmen für Angriffe auf russische Handelsschiffe, was die Sorgen weiter anheizt.
Das gestiegene Misstrauen gegenüber dem Banksystem ist offensichtlich. Viele Russen ziehen es vor, ihr Geld zu Hause zu lagern, anstatt es auf ein Konto zu legen, das möglicherweise in naher Zukunft vom Staat angezapft werden könnte. Diese Umstände führen bereits zu Liquiditätsproblemen bei einigen Banken, die ihre Gelder anderweitig investiert haben. Ein Beamter betonte, dass monatlich etwa eine halbe Billion Rubel abgehoben wird.
Die Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko (40) sieht in diesem Verhalten einen gravierenden Vertrauensverlust in das Bankensystem. Sie warnt davor, dass die Behörden möglicherweise ein Limit für Abhebungen einführen könnten, um der Situation Herr zu werden. Zwischen 2022 und Ende 2025 wurden in Russland bereits Vermögenswerte im Wert von rund 6,5 Billionen Rubel verstaatlicht, was damals etwa 72 Milliarden Euro entsprach. Fest entschlossen kontert die Bundesregierung Lawrows Drohung mit klarer Haltung zur Ukraine.
Der Kreml benötigt dringend finanzielle Mittel für den Krieg, der unter anderem durch den Verkauf von Staatsanleihen, die vorwiegend von Banken erworben werden, finanziert wird. Allerdings wird auch dort die Liquidität zunehmend knapper. Laut Taras Skworzow (42), dem Finanzvorstand der Sberbank, mangelt es vielen Banken mittlerweile an ausreichendem Kapital.
Die finanziellen Belastungen durch den Krieg nehmen weiter zu. Im ersten Halbjahr 2026 belief sich das russische Haushaltsdefizit auf umgerechnet 65,5 Milliarden Euro, während ursprünglich ein Defizit von 38,5 Milliarden Euro geplant war. Diese Entwicklungen werfen ein alarmierendes Licht auf die finanzielle Stabilität Russlands angesichts der aktuellen geopolitischen Herausforderungen. Ukrainischer Drohnenschwarm über Moskau zeigt die Intensität der Angriffe seit zwei Jahren.
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Quellen: Bild, Der Spiegel
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