Eine zentrale Entscheidung im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 ist, dass der neue Tiefbahnhof ohne Klimaanlage betrieben werden soll. Diese Information wurde in einem kürzlich veröffentlichten Video vorgestellt, das die Hintergründe erläutert. Die Reaktionen auf diese Ankündigung waren überwiegend negativ und von Skepsis geprägt. Ein Nutzer äußerte, dass die Fertigstellung des Bahnhofs erst zur nächsten Eiszeit zu erwarten sei, was auf den erneut um fünf Jahre verschobenen Eröffnungstermin hinweist.
Die Deutsche Bahn führt an, dass die unterirdische Lage des neuen Bahnhofs eine Klimaanlage nicht notwendig macht. René Krull, der im technischen Projektmanagement für Stuttgart 21 arbeitet, erklärte, dass die Baumaterialien des Bahnhofs die Temperatur des umgebenden Erdreichs annehmen würden. Das massive Bauwerk und seine Einbettung in den Boden sorgen dafür, dass die Temperaturen im Inneren des Bahnhofs relativ konstant bleiben.
Ein weiterer Punkt, den die Bahn betont, ist die Standortwahl des Bahnhofs im tiefsten Punkt des Stuttgarter Talkessels. Alle zugehörigen Tunnel verlaufen nach oben, was bedeutet, dass die einströmende Luft abgekühlt wird, bevor sie in den Bahnhof gelangt. Diese Luftzirkulation soll dazu beitragen, dass die Temperaturen im Bahnhof über das gesamte Jahr hinweg stabil bleiben. Zudem wird die Zugbewegung als Faktor angesehen, der für einen regelmäßigeren Luftwechsel zwischen Tunnel und Bahnhof sorgt.
Trotz dieser Argumentation haben zahlreiche Zuschauer Bedenken geäußert. Eine Nutzerin bemerkte, dass der Bahnsteig der S-Bahn-Station, die unter dem neuen Bahnhof verläuft, im Sommer oft heiß und stickig sei. Die S-Bahn-Strecke liegt direkt unter einem Teil des neuen Bahnhofs von Stuttgart 21.
Ein Vertreter der Bahn erläuterte den Unterschied zur nahegelegenen S-Bahn-Station. Die Tunnel, die mit dem Stuttgart-21-Bahnhof verbunden sind, sind zwischen drei und neun Kilometer lang und erreichen Tiefen von bis zu 220 Metern. Im Gegensatz dazu befindet sich die S-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof nur wenige Dutzend Meter vom Tunnelportal entfernt, das sich im Gleisvorfeld des alten Kopfbahnhofs befindet, weshalb diese Station nicht von der abgekühlten Luft aus den Tunneln profitiert.
Der Verzicht auf eine Klimaanlage ist Teil der umfassenden Planungen für Stuttgart 21, die seit Jahren in der Diskussion sind. Mit dieser Entscheidung verfolgt die Deutsche Bahn das Ziel, die Betriebskosten zu senken und die Energieeffizienz des neuen Bahnhofs zu erhöhen. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die tatsächlichen Temperaturen im neuen Tiefbahnhof während des Betriebs entwickeln werden.
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Quellen: swr, tagesschau
Bildquelle: Giftzwerg 88 via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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